| schreibt: Das Wirtshaus zum Tonkrug liegt sehr malerisch unterhalb der Burg Gnandstein (in der Burg selbst ist ebenfalls ein Restaurant). Das Besondere hier ist zum Einen, dass es einen sehr schönen rosenumrankten Freisitz hat (mit einem diskret eingebauten riesigen Flachbildschirm, falls grade Fußball-EM oder -WM aktuell ist), zum Andern, dass hier montags kein Ruhetag ist (im Gegensatz zum Restaurant oben auf der Burg, wo man auf höherem Niveau isst).
Ich komme hier jährlich mindestens einmal her (die Burg ist von Leipzig aus ein schöner Ziel- und Wendepunkt für kurze Ausflüge z.B. mit dem Motorrad) - wegen der Lage, der stets sehr netten Bedienung und der deftigen Hausmannkost. Bratkartoffeln zum Beispiel sind hier echt ein Genuss (wobei das ja Geschmacksache ist, es gibt ja diverse Varianten, aber im Tonkrug macht man sie so, wie ich sie am liebsten habe: festkochende Kartoffelsorte, in Scheiben geschnitten, nicht brockig, rundum angebraten, kross und mit Biss (und weder fetttriefend noch speckig-glitschig wie die, die man immer häufiger aus irgendwelchen Fertigprodukten vorgesetzt bekommt). Auch die Forelle esse ich hier sehr gerne.
Dieses Mal hatte ich aber besonders großen Hunger und bestellte auf Empfehlung ein Schweinesteak mit Bratkartoffeln, Spargel und Sauce hollandaise. Meine Begleitung hatte mittags bereits eine halbe Ente in Karlsbad gegessen und beschränkte sich auf eine kleine Portion Spargel mit Dampfkartoffeln.
Schon als mein Steak serviert wurde, ahnte ich Übles: Auf den Kartoffeln lag das Steak, darauf der Spargel, darauf die Sauce hollandaise, darauf überbackener Käse, und über allem thronte ein Schnitz Zitrone. Das eigentlich Alarmierende war die Zitrone.
Abgesehen von den wie immer köstlichen Kartoffeln war das Ganze ein Unglück: Der Spargel fasrig und ohne Aroma, die Sauce erschlagen von dem Käse, das Steak zäh, hart und trocken.
Auch meine Begleitung war schwer enttäuscht: Dass der fade Spargel nicht nur in der Hollandaise, sondern zusätzlich in Butter schwamm, war sicher gut gemeint aber nicht gut.
Der ausgesprochen herzlichen Wirtin war das überaus peinlich – dass der eingekaufte Spargel suboptimal war, hatte sie schon selbst bemerkt - und sie versprach in Bezug auf das Steak, dass sich so eine Pfannenpanne nicht wiederhole werde.
Wir unsererseits gelobten baldige Wiederkehr. Aber ich werde dann wohl lieber wieder die vertraute Forelle wählen. Schade, dass die nicht zu den Bratkartoffeln passt.
|| Essen: 2 Punkte, Bedienung: 5 Punkte, Ambiente: 5 Punkte, Sauberkeit: 3 Punkte, Gesamt: 3.75 Punkte |