| schreibt: sakrisch ist übertrieben
Das Beste an dem Wirtshaus im Nahkreis von Freimann ist immer noch der Name. Wiewohl sich mein Eindruck beim letzten Besuch deutlich verbessert hat – und das nicht nur wegen des dunkelbraunen Konturstriches an den sinnlichen Lippen der Bedienung. Sie war auch freundlich, eher professionell, als herzlich. Was auch für die Wirtin galt, ich nehme an, es war die Wirtin, allerdings die ohne Strich.
Trotz sibirischem Lüfterl saßen zwei kälteresistente Mäntel Dank kräftiger Aprilsonne sogar an der Hauswand im Freien und ergötzten sich an den Golfbällen der hautnahen Übungsanlage zur Abschlagverbesserung. Haushohe Netze sorgen dafür, dass die pockennarbigen Kugerln nicht in ihre Schweinsbratensoße pfitschen. Trotz Schutz, mich stört's. Also sitze ich drinnen in einem schon arg langweiligem Ambiente, wenn ich an den nahen Aumeister denke, und bin andererseits über die moderaten Preise erstaunt, wenn ich an den nahen Aumeister denke. Also denke ich nicht länger herum und esse.
Ich hatte die Bestellung noch nicht richtig ausgesprochen, stand die Leberknödelsuppe in Tafelspitzbouillon (2,50 €) vor mir. Die Mikrowelle machte dies möglich. Groß ist er, der Knödel und dunkel, wie ein Afrikaner. Er schmeckt sehr gut lebrig, nicht zu aufdringlich und ist eher locker als fest. Die Brühe hat fast Dampf, übertrumpft aber immerhin den Aumeister deutlich. Schön auch der wirklich frische und reichlich vorhandene Schnittlauch.
Gefreut hat mich das Seniorenangebot, das nicht unbedingt in der Gastronomie so häufig ist, wie ein sattes Preisniveau. Nachmittags um Drei erwarte ich von einer Küche mit durchgehendem Angebot eher Erbärmlichkeiten der Aufwärmkunst, denn Genuss. Irrtum. Kleiner Schweinebraten mit Kartoffel- oder Semmelknödel und Krautsalat (5,90 €) hatte ich mir bei der Lippenkontur bestellt. Sogar ein paar Zentimeter resche Kruste konnte ich am saftigen Stückerl Fleisch genießen. Die Soße sah leider eher fertig aus, war aber trotzdem leidlich. Leut', ich sage euch, es gibt inzwischen Knödelteighersteller, da schmeckt der kindskopfgroße, herrlich grobfasrige Knödelkugelball richtig gut. Schade, Bröckerl im Innenleben hatte er nicht. Und zum Krautsalat, mustergültig mit Speck und Kümmel, gibt es nur einen Kommentar: gut!
Chronistenpflicht: Apfelschorle, 0,5 l 2,50 €; Spezi, 0,5 l 2,50 €; Grüner Veltliner, 0,25 l 3,00 €
Der nächste Test folgt im Biergarten und dann reden wir weiter. Aumeister, wie gut, dass du so einen wunderschönen Biergarten hast. Dein Glück!
April 08 || Essen: 3 Punkte, Bedienung: 3 Punkte, Ambiente: 2 Punkte, Sauberkeit: 3 Punkte, Gesamt: 2.75 Punkte |