| Kulinarus schreibt: Man vermutet es nicht, schon gar nicht in einer Kleinstadt wie Taucha, doch nahe dem Stadtzentrum erwarteten uns eine Reise ins Mittelalter, eine Oase der Ruhe und kulinarische Leckerbissen vom Feinsten. Mit liebevoll zusammengetragenen Rezepten lassen die beiden Inhaber Claudia und Rüdiger Bartels die Traditionen klösterlicher Kochkunst und damit auch längst in Vergessenheit geratene Aromen wieder aufleben.
Wenn man sich auf das Abenteuer der authentischen Klosterküche einzulassen vermag, wird man auch anderswo übliche Speisen und Getränke, wie Kaffee oder Kartoffeln nicht vermissen, denn die gab es zu damaligen Zeiten noch nicht. Dafür gibt´s hier schon als Willkommensgruß selbstgebackenes Holzofenbrot mit verschiedenen Kräuteraufstrichen und mit einer weiteren leckeren Überraschung des Kochs vergeht die Wartezeit wie im Flug.
Man fährt gut, wenn man den Empfehlungen des Hauses folgt. Der Wein war hervorragend und unbedingt sollte man auch - ob als Aperitif oder als "Verdauer" - den Brotschnaps probieren, der ganz im Gegensatz zu seinem profanem Namen ein Duft- und Geschmackserlebnis ohnegleichen ist. Die Konsequenz im Konzept und die Liebe zum Detail werden auch sonst - sowohl bei der Location als auch bei den Speisen und im Umgang miteinander - an jeder Ecke spürbar.
Die Einrichtung ist urig und urgemütlich. Ein offener Kamin spendet in den Abendstunden wohlige Wärme. Als Beleuchtung werden nur Kerzen verwendet, sogar auf dem "stillen Örtchen" - das für sich allein schon ein Erlebnis ist. Restaurantausstattung, Geschirr und Tischschmuck sind ausgeklügelt und passen genau so ins Konzept wie Hintergrundmusik und Größe des Restaurants, das Platz für 40 Gäste bietet.
Auch die monatlich wechselnde kleine, aber feine Speisekarte gehört zum Plan, denn gekocht wird mit den Zutaten, die die jeweilige Jahreszeit und der heimische Kräutergarten zu bieten haben.
Doch wir waren nicht nur von den kulinarischen Erfahrungen fasziniert. Sowohl die Inhaber als auch die Bedienung und der Koch haben den Aufenthalt noch mit vielen geistigen Genüssen, Wissenswertem rund um die Klosterküche und Informationen zu Kräutern und Zubereitungsarten zu einem unvergesslichen Erlebnis gestaltet.
Man fühlte sich sofort heimisch und herzlich wie in die Familie aufgenommen, als die Hausherrin Claudia Bartels uns gleich zum Auftakt unseres Besuches durch ihren selbst angelegten Klostergarten führte, mit uns Erfahrungen zu den liebvoll angeordneten Kräuterbeeten austauschte und wir Bekanntschaft mit den beiden, zum Haus gehörenden Katzen schlossen.
Rüdiger Bartels, ein gebürtiger Thüringer Maler und Grafiker erfreute uns während des ganzen Abends mit seinen kurzweiligen, ganz persönlichen Erlebnissen zu Idee, Entstehung und den Maximen des Hauses. Mit dem Inhaberehepaar haben sich wohl nicht ganz zufällig zwei Künstler gefunden, die eine Komposition aus Gaumenfreuden, Geselligkeit und der Kultur aus "guten, alten Zeiten" so unverfälscht und offen leben und zusammen mit ihren Gästen gestalten. Und so duzt man sich auch ganz natürlich, wie vor 1000 Jahren üblich.
Wir kommen bald wieder und freuen uns schon auf einen lauen Sommerabend, wo wir im mit Tausenden kleinen Lämpchen geschmückten Klostergarten an einem urigen Wasserlauf und beim Lagerfeuer weitere, nach Originalrezept der mittelalterlichen Klosterküche zubereitete Speisen ausprobieren, für die wir auch gern etwas mehr ausgeben.
|| Essen: 5 Punkte, Bedienung: 5 Punkte, Ambiente: 5 Punkte, Sauberkeit: 5 Punkte, Gesamt: 5 Punkte |